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Sommeranlass 2026 – Im Gespräch mit Markus Lütscher

  • Autorenbild: VivArosa
    VivArosa
  • 31. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Am Samstag, 25. Juli 2026, konnte Orlando Rabaglio, Präsident der Stammgästevereinigung VivArosa , über 70 Mitglieder im Hotel Prätschli zum traditionellen Sommeranlass begrüssen. Gast war Markus Lütscher, einer der letzten Bergbauern in Arosa, der uns im Gespräch mit Orlando Rabaglio auf sehr humorvolle Art seinen Beruf, oder besser gesagt seine Berufung als Bergbauer näher brachte.

Markus Lütscher bearbeitet zusammen mit seiner Gattin einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb.


Nachdem der Milchpreis immer schlechter wurde, hat er auf Mutterkuhhaltung mit 7 - 10 Kühen und 4 -10 Kalbern umgestellt. Die Anzahl Tiere ergibt sich jeweils durch das eigene Futter. Er verwendet nur eigenes Heu und Streue. Ein kaltnasser Frühling kann für ihn sofort auch weniger Futterangebot bedeuten. Deshalb nennt er seine Art des Bauern eine an die Natur angepasste Landwirtschaft. Seine Kühe gehören zur rätischen Grauvieh- und der Original Braunviehrasse. Hochleistungskühe für eine bessere Milchleistung würden einen sehr teuren Futterzukauf bedingen, was dann nicht mehr rentabel sei. Auch würden diese Kühe den Boden zu stark verdichten.


Orlando Rabaglio fragte ihn, wie er sich als Bergbauer mit den Bedürfnissen des Tourismus, der Bergbahnen, Biker und Skipisten behaupten könne. Markus Lütscher erklärte, dass es mit den einzelnen Organisationen eine gute Zusammenarbeit gebe. Klar gebe es manchmal verschiedene Interessen. Da müsse man sich zusammen raufen und Kompromisse finden. Etwas Mühe habe er mit den Anforderungen für die Bike-Trails. Diese wolle man mit Hägen absperren. Aber seine Kühe sollen doch frei herum laufen dürfen. Da sollten Biker etwas Nachsicht haben, wenn sich ein Kalb auf dem Trail gemütlich macht.


Auf Nachfragen hin sagt Markus Lütscher, dass sich heute bei einigen wenigen Touristen eine gewisse Rücksichtslosigkeit zeige. Vorallem die Gatter nicht schliessen oder durch Heuwiesen durchlaufen komme ab und zu vor. In seiner Jugend hätten sie sich noch ein Sport daraus gemacht, solche Touristen mit Heugabeln von den Wiesen zu vertreiben, erzählte er verschmitzt. Das mache man heute aber nicht mehr. Leuten, die sich am Gebimbel der Kuhglocken stören, rate er jeweils, sich eine Wohnung beim Flughafen Kloten zu nehmen.


Auf die Frage, wie sich der Klimawandel oder die Trockenheit auf seinen Betrieb auswirke, meinte er, dass sich dadurch die Vegetationszeit im Frühling etwas verlängert habe, was für ihn mehr Eigenfutter bedeute. Zudem habe Arosa viel sehr gutes Wasser und die Wiesen seien immer noch grün. Früher war es kälter und nässer. Die Wiesen waren voller Kraut. Heute habe er Gräserwiesen, die ein besseres Futter geben.

Bezüglich der künstlichen Beschneiung ist Markus Lütscher positiv eingestellt. Dadurch, dass der Schnee länger liegen bleibe, habe der Boden zu Beginn der Vegetation mehr Feuchtigkeit.


Es war abzusehen, dass die Frage des Wolfes aus dem Publikum kommen würde. Dass Markus Lütscher nicht unbedingt ein Freund des Wolfes ist, konnte angenommen werden. Für uns aber interessant und nachvollziehbar waren seine Argumente. Er ist klar der Ansicht, dass der – nicht nur finanzielle – Aufwand für die Beschützung der Schafe viel zu gross sei. Das könne nur jemand beurteilen, erklärte er, der selbst einmal die bis 120 cm hohen Elektrozäune für die Nachtpferche auf die Alp getragen habe. Und die Metallpfähle des Zauns in den steinigen Boden hineinschlagen sei äusserst mühsam.

Aber noch wichtiger war sein zweites Argument. Wenn die Alpen nicht mehr von den Schafen beweidet werden, werde die Grasnarbe ausgerissen und dadurch die Biodiversität verschwinden. Im Österreich hätten sich solche Gebiete in wenigen Jahren in Prärien verwandelt.


Auf seine mögliche Nachfolge angesprochen erklärte Markus Lütscher, dass seine Kinder den Hof nicht übernehmen wollten und er dabei sei, einen Nachfolger zu suchen. Aber welche junge Familie fragte er, habe so grosse finanzielle Mittel und wolle sich so viel Arbeit aufhalsen. Der kleine Ertrag aus der Berglandwirtschaft erlaube nämlich keine grosse Investitionen in die Mechanisierung. Der andere Bergbauer in Arosa habe nun einen Pächter gefunden.


Markus Lütscher hatte es sehr eindrücklich verstanden, uns Zweitheimischen in seiner humorvollen Art die vielen Aspekte der Berglandwirtschaft näher zu bringen.


Silvia und Urs Gnos stellten uns noch den Club 1924, die Gönnervereinigung des EHC Arosa vor. Bei einem Wettbewerb konnte das genaue Gewicht eines Pucks geraten werden. Sechs Gewinner erhielten eine Einladung für die Eishockey Classic EHC Davos gegen EHC Arosa.


Ein Apéro auf der wunderschönen neuen Terrasse des Prätschli und ein feines Nachtessen waren der krönender Abschluss einer interessanten VivArosa Sommerveranstaltung 2026.



 
 

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